Nedarim 9

Kapitel 9

א רַבִּי אֱלִיעֶזֶר אוֹמֵר, פּוֹתְחִין לָאָדָם בִּכְבוֹד אָבִיו וְאִמּוֹ. וַחֲכָמִים אוֹסְרִין. אָמַר רַבִּי צָדוֹק, עַד שֶׁפּוֹתְחִין לוֹ בִכְבוֹד אָבִיו וְאִמּוֹ, יִפְתְּחוּ לוֹ בִכְבוֹד הַמָּקוֹם, אִם כֵּן אֵין נְדָרִים. וּמוֹדִים חֲכָמִים לְרַבִּי אֱלִיעֶזֶר בְּדָבָר שֶׁבֵּינוֹ לְבֵין אָבִיו וְאִמּוֹ, שֶׁפּוֹתְחִין לוֹ בִּכְבוֹד אָבִיו וְאִמּוֹ:
1 R. Elieser sagt: man darf jemand einen Weg [zur Reue] durch [den Hinweis auf] die dem Vater oder der Mutter schuldige Ehrfurcht eröffnen; die Weisen aber verbieten es. Da sagte R. Zadok: anstatt dass man ihm den Weg durch [den Hinweis auf] die dem Vater oder der Mutter schuldige Ehrfurcht eröffnet, könnte man ihm ja den Weg durch [den Hinweis auf] die dem Ewigen schuldige Ehrfurcht eröffnen, dann wären es ja keine Gelübde! Die Weisen stimmen jedoch mit R. Elieser darin überein, dass man bei Dingen, die die Beziehungen zwischen ihm und seinem Vater oder seiner Mutter betreffen, ihm den Weg durch [den Hinweis auf] die dem Vater oder der Mutter schuldige Ehrfurcht eröffnen darf.
ב וְעוֹד אָמַר רַבִּי אֱלִיעֶזֶר, פּוֹתְחִין בְּנוֹלָד. וַחֲכָמִים אוֹסְרִין. כֵּיצַד. אָמַר, קוֹנָם שֶׁאֵינִי נֶהֱנֶה לְאִישׁ פְּלוֹנִי, וְנַעֲשָׂה סוֹפֵר, אוֹ שֶׁהָיָה מַשִּׂיא אֶת בְּנוֹ בְקָרוֹב, וְאָמַר, אִלּוּ הָיִיתִי יוֹדֵעַ שֶׁהוּא נַעֲשֶׂה סוֹפֵר אוֹ שֶׁהוּא מַשִּׂיא אֶת בְּנוֹ בְקָרוֹב, לֹא הָיִיתִי נוֹדֵר. קוֹנָם לְבַיִת זֶה שֶׁאֵינִי נִכְנָס, וְנַעֲשָׂה בֵית הַכְּנֶסֶת, וְאָמַר, אִלּוּ הָיִיתִי יוֹדֵעַ שֶׁהוּא נַעֲשֶׂה בֵית הַכְּנֶסֶת לֹא הָיִיתִי נוֹדֵר, רַבִּי אֱלִיעֶזֶר מַתִּיר, וַחֲכָמִים אוֹסְרִין:
2 Ferner sagte R. Elieser: man darf jemand einen Weg [zur Reue] durch [den Hinweis auf] solche Umstände eröffnen, die erst später eingetreten sind; die Weisen aber verbieten es. Wie ist dies zu verstehen? Wenn [z. B.] jemand sagt: „Konam, dass ich von N. N. keinen Nutzen haben werde“ und dieser nun ein Schriftgelehrter wird oder seinen Sohn bald darauf verheiratet und jener erklärt: „hätte ich gewusst, dass er ein Schriftgelehrter sein oder seinen Sohn so bald verheiraten würde, so hätte ich das Gelübde nicht getan“, [oder wenn er sagt:] „Konam, dass ich dieses Haus nicht betreten werde“ und es dann eine Synagoge wird und er erklärt: „hätte ich gewusst, dass es eine Synagoge werden würde, so hätte ich das Gelübde nicht getan“, so erlaubt es R. Elieser [ihm diesen Weg zu eröffnen], die Weisen aber verbieten es.
ג רַבִּי מֵאִיר אוֹמֵר, יֵשׁ דְּבָרִים שֶׁהֵן כְּנוֹלָד וְאֵינָן כְּנוֹלָד, וְאֵין חֲכָמִים מוֹדִים לוֹ. כֵּיצַד. אָמַר, קוֹנָם שֶׁאֵינִי נוֹשֵׂא אֶת פְּלוֹנִית, שֶׁאָבִיהָ רָע. אָמְרוּ לוֹ, מֵת אוֹ שֶׁעָשָׂה תְשׁוּבָה. קוֹנָם לְבַיִת זֶה שֶׁאֵינִי נִכְנָס, שֶׁהַכֶּלֶב רַע בְּתוֹכוֹ אוֹ שֶׁהַנָּחָשׁ בְּתוֹכוֹ. אָמְרוּ לוֹ, מֵת הַכֶּלֶב אוֹ שֶׁנֶּהֱרַג הַנָּחָשׁ, הֲרֵי הֵן כְּנוֹלָד וְאֵינָן כְּנוֹלָד, וְאֵין חֲכָמִים מוֹדִים לוֹ:
3 R. Meir sagt: es gibt Umstände, die eigentlich erst später eingetreten sind, aber dennoch nicht als solche gelten; und die Weisen stimmen darin mit ihm überein (a. L.: aber die Weisen stimmen darin nicht mit ihm überein). Wie ist dies zu verstehen? Wenn [z. B.] jemand sagt: „Konam, dass ich die N. N. nicht heirate, da ihr Vater schlecht ist“, und man ihm dann mitteilt: „er ist gestorben oder er hat Busse getan“, [oder wenn jemand sagt:] „Konam, dass ich dieses Haus nicht betrete, da ein böser Hund darin ist oder eine Schlange darin ist“, und man ihm dann mitteilt: „der Hund ist tot oder die Schlange ist erschlagen“, so sind dies Umstände, die eigentlich erst später eingetreten sind, aber dennoch nicht als solche gelten; und die Weisen stimmen darin mit ihm überein (a. L.: die Weisen aber stimmen darin nicht mit ihm überein).
ד וְעוֹד אָמַר רַבִּי מֵאִיר פּוֹתְחִין לוֹ מִן הַכָּתוּב שֶׁבַּתּוֹרָה וְאוֹמְרִים לוֹ, אִלּוּ הָיִיתָ יוֹדֵעַ שֶׁאַתָּה עוֹבֵר עַל לֹא תִקֹּם וְעַל לֹא תִטֹּר (ויקרא יט), וְעַל לֹא תִשְׂנָא אֶת אָחִיךָ בִּלְבָבֶךָ (שם), וְאָהַבְתָּ לְרֵעֲךָ כָּמוֹךָ (שם), וְחֵי אָחִיךָ עִמָּךְ (שם כה), שֶׁמָּא יֵעָנִי וְאֵין אַתָּה יָכוֹל לְפַרְנְסוֹ. אָמַר, אִלּוּ הָיִיתִי יוֹדֵעַ שֶׁהוּא כֵן, לֹא הָיִיתִי נוֹדֵר, הֲרֵי זֶה מֻתָּר:
4 Ferner sagte R. Meir: man darf jemand einen Weg [zur Reue] durch [den Hinweis auf] das eröffnen, was in der Thora geschrieben steht, und zu ihm sagen: „hättest du gewusst, dass du das Gesetz übertrittst: „du sollst dich nicht rächen“ (Lev. 19, 18) oder „du sollst nicht nachtragen“ (ibid.) oder „du sollst deinen Bruder nicht in deinem Herzen hassen“ (Lev. 19, 17) oder „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Lev. 19, 18) oder „dein Bruder soll neben dir zu leben haben“ (Lev. 25, 36), vielleicht verarmt er und du darfst ihn dann nicht ernähren“; wenn er dann erklärt: „hätte ich gewusst, dass dem so ist, so hätte ich das Gelübde nicht getan“, so ist es erlaubt [ihm das Gelübde zu lösen].
ה פּוֹתְחִין לָאָדָם בִּכְתֻבַּת אִשְׁתּוֹ. וּמַעֲשֶׂה בְאֶחָד שֶׁנָּדַר מֵאִשְׁתּוֹ הֲנָאָה וְהָיְתָה כְתֻבָּתָהּ אַרְבַּע מֵאוֹת דִּינָרִין, וּבָא לִפְנֵי רַבִּי עֲקִיבָא וְחִיְּבוֹ לִתֵּן לָהּ כְּתֻבָּתָהּ. אָמַר לוֹ, רַבִּי, שְׁמֹנֶה מֵאוֹת דִּינָרִין הִנִּיחַ אַבָּא, וְנָטַל אָחִי אַרְבַּע מֵאוֹת וַאֲנִי אַרְבַּע מֵאוֹת, לֹא דַיָּהּ שֶׁתִּטֹּל הִיא מָאתַיִם, וַאֲנִי מָאתָיִם. אָמַר לוֹ רַבִּי עֲקִיבָא, אֲפִלּוּ אַתָּה מוֹכֵר שְׂעַר רֹאשְׁךָ, אַתָּה נוֹתֵן לָהּ כְּתֻבָּתָהּ. אָמַר לוֹ, אִלּוּ הָיִיתִי יוֹדֵעַ שֶׁהוּא כֵן, לֹא הָיִיתִי נוֹדֵר, וְהִתִּירָהּ רַבִּי עֲקִיבָא:
5 Man darf jemand einen Weg [zur Reue] durch [den Hinweis auf] die Ketuba seiner Frau eröffnen. Einst versagte sich jemand den Genuss seiner Frau, deren Ketuba 400 Denar betrug; sie erschien dann vor R. Akiba und dieser verurteilte ihn, ihr die Ketuba auszuzahlen. Darauf sagte er: Rabbi, 800 Denar hat mein Vater hinterlassen, mein Bruder hat 400 und ich habe 400 erhalten, wäre es nicht genug, dass sie 200 erhält und ich 200? Da erwiderte ihm R. Akiba: Selbst wenn du die Haare auf deinem Kopfe verkaufen müsstest, so musst du ihr doch ihre Ketuba auszahlen. Darauf erklärte jener: „hätte ich gewusst, dass dem so ist, so hätte ich das Gelübde nicht getan“. Da erlaubte sie ihm R. Akiba.
ו פּוֹתְחִין בְּיָמִים טוֹבִים וּבְשַׁבָּתוֹת. בָּרִאשׁוֹנָה הָיוּ אוֹמְרִים, אוֹתָן הַיָּמִים מֻתָּרִין וּשְׁאָר כָּל הַיָּמִים אֲסוּרִין, עַד שֶׁבָּא רַבִּי עֲקִיבָא וְלִמֵּד, שֶׁהַנֶּדֶר שֶׁהֻתַּר מִקְצָתוֹ, הֻתַּר כֻּלּוֹ:
6 Man darf jemand den Weg [zur Reue] durch [den Hinweis auf] die Festtage und Sabbate eröffnen. Anfangs hat man gesagt: nur diese Tage sind ihm erlaubt, die andren Tage aber verboten, bis später R. Akiba lehrte, dass ein Gelübde, von dem ein Teil gelöst ist, als gänzlich gelöst gilt.
ז כֵּיצַד. אָמַר, קוֹנָם שֶׁאֵינִי נֶהֱנֶה לְכֻלְּכֶם, הֻתַּר אֶחָד מֵהֶן, הֻתְּרוּ כֻלָּן. שֶׁאֵינִי נֶהֱנֶה לָזֶה וְלָזֶה, הֻתַּר הָרִאשׁוֹן, הֻתְּרוּ כֻלָּן. הֻתַּר הָאַחֲרוֹן, הָאַחֲרוֹן מֻתָּר, וְכֻלָּן אֲסוּרִין. הֻתַּר הָאֶמְצָעִי, הֵימֶנּוּ וּלְמַטָּה מֻתָּר, הֵימֶנּוּ וּלְמַעְלָה אָסוּר. שֶׁאֵינִי נֶהֱנֶה לָזֶה קָרְבָּן וְלָזֶה קָרְבָּן, צְרִיכִין פֶּתַח לְכָל אֶחָד וְאֶחָד:
7 Wie ist dies zu verstehen? Wenn [z. B.] jemand sagt: „Konam, dass ich von euch allen keinen Nutzen habe“, so darf er, sobald es ihm erlaubt ist, von einem von ihnen Nutzen zu haben, von allen Nutzen haben. [Wenn jemand sagt: „Konam,] dass ich von diesem und diesem [u. s. w.] keinen Nutzen habe“, so darf er, sobald es ihm erlaubt ist, von dem ersten einen Nutzen zu haben, von allen einen Nutzen haben; sobald es ihm aber erlaubt ist, von dem letzten einen Nutzen zu haben, ist es ihm nur von dem letzten erlaubt, von den andren aber bleibt es ihm verboten; ist es ihm erlaubt, von dem mittleren einen Nutzen zu haben, so darf er von den andren abwärts einen Nutzen haben, von den andren aufwärts aber bleibt es ihm verboten. [Wenn er sagt:] „Was ich von diesem geniessen sollte, sei Opfer, und was ich von jenem geniessen sollte, sei Opfer“, so muss er für jeden einzelnen einen Weg [zur Reue] haben.
ח קוֹנָם יַיִן שֶׁאֵינִי טוֹעֵם, שֶׁהַיַּיִן רַע לַמֵּעָיִם, אָמְרוּ לוֹ, וַהֲלֹא הַמְיֻשָּׁן יָפֶה לַמֵּעָיִם, הֻתַּר בַּמְיֻשָּׁן. וְלֹא בַמְיֻשָּׁן בִּלְבַד הֻתַּר, אֶלָּא בְכָל הַיָּיִן. קוֹנָם בָּצָל שֶׁאֵינִי טוֹעֵם, שֶׁהַבָּצָל רַע לַלֵּב. אָמְרוּ לוֹ, הֲלֹא הַכֻּפְרִי יָפֶה לַלֵּב, הֻתַּר בַּכֻּפְרִי. וְלֹא בַכֻּפְרִי בִלְבַד הֻתַּר, אֶלָּא בְכָל הַבְּצָלִים. מַעֲשֶׂה הָיָה, וְהִתִּירוֹ רַבִּי מֵאִיר בְּכָל הַבְּצָלִים:
8 [Wenn jemand sagt:] Konam,dass ich keinen Wein kosten werde, denn der Wein ist schädlich für den Leib“, und man ihm dann erklärt: „der alte Wein ist ja gut für den Leib“, so ist ihm alter Wein erlaubt, und nicht nur alter ist ihm erlaubt, sondern jeder Wein. [Wenn er sagt:] „Konam, dass ich Zwiebel nicht kosten werde, denn Zwiebel ist schädlich für das Herz“, und man ihm dann erklärt: „Kypros-Zwiebel ist ja gut für das Herz“, so ist ihm Kypros-Zwiebel erlaubt, und nicht nur Kypros-Zwiebel ist ihm erlaubt, sondern jede Zwiebel. Ein solcher Fall trug sich einst zu, und R. Meir erlaubte ihm alle Zwiebeln zu geniessen.
ט פּוֹתְחִין לָאָדָם בִּכְבוֹד עַצְמוֹ וּבִכְבוֹד בָּנָיו. אוֹמְרִים לוֹ, אִלּוּ הָיִיתָ יוֹדֵעַ שֶׁלְּמָחָר אוֹמְרִין עָלֶיךָ כָּךְ הִיא וִסְתּוֹ שֶׁל פְּלוֹנִי, מְגָרֵשׁ אֶת נָשָׁיו, וְעַל בְּנוֹתֶיךָ יִהְיוּ אוֹמְרִין בְּנוֹת גְּרוּשׁוֹת הֵן, מָה רָאֲתָה אִמָּן שֶׁל אֵלּוּ לְהִתְגָּרֵשׁ, וְאָמַר, אִלּוּ הָיִיתִי יוֹדֵעַ שֶׁכֵּן, לֹא הָיִיתִי נוֹדֵר, הֲרֵי זֶה מֻתָּר:
9 Man darf jemand den Weg [zur Reue] durch [den Hinweis auf] seine Ehre und die seines Kindes eröffnen; man sagt zu ihm: „wenn du gewusst hättest, dass man morgen von dir sagen würde: „das ist die Art des N. N., dass er sich von seinen Frauen scheidet“, und dass man von deinen Töchtern sagen würde: „dies sind Töchter einer Geschiedenen, warum mag wohl ihre Mutter geschieden sein?“ und wenn er dann erklärt: „hätte ich gewusst, dass dem so ist, so hätte ich das Gelübde nicht getan“, so ist es ihm erlaubt (die Frau zu behalten).
י קוֹנָם שֶׁאֵינִי נוֹשֵׂא אֶת פְּלוֹנִית כְּעוּרָה, וַהֲרֵי הִיא נָאָה. שְׁחוֹרָה, וַהֲרֵי הִיא לְבָנָה. קְצָרָה, וַהֲרֵי הִיא אֲרֻכָּה, מֻתָּר בָּהּ. לֹא מִפְּנֵי שֶׁהִיא כְעוּרָה וְנַעֲשֵׂית נָאָה, שְׁחוֹרָה וְנַעֲשֵׂית לְבָנָה, קְצָרָה וְנַעֲשֵׂית אֲרֻכָּה, אֶלָּא שֶׁהַנֶּדֶר טָעוּת. וּמַעֲשֶׂה בְאֶחָד שֶׁנָּדַר מִבַּת אֲחוֹתוֹ הֲנָיָה, וְהִכְנִיסוּהָ לְבֵית רַבִּי יִשְׁמָעֵאל וְיִפּוּהָ. אָמַר לוֹ רַבִּי יִשְׁמָעֵאל, בְּנִי, לָזוֹ נָדָרְתָּ. אָמַר לוֹ, לָאו. וְהִתִּירוֹ רַבִּי יִשְׁמָעֵאל. בְּאוֹתָהּ שָׁעָה בָּכָה רַבִּי יִשְׁמָעֵאל וְאָמַר, בְּנוֹת יִשְׂרָאֵל נָאוֹת הֵן, אֶלָּא שֶׁהָעֲנִיּוּת מְנַוַּלְתָּן. וּכְשֶׁמֵּת רַבִּי יִשְׁמָעֵאל, הָיוּ בְנוֹת יִשְׂרָאֵל נוֹשְׂאוֹת קִינָה וְאוֹמְרוֹת, בְּנוֹת יִשְׂרָאֵל אֶל רַבִּי יִשְׁמָעֵאל בְּכֶינָה. וְכֵן הוּא אוֹמֵר בְּשָׁאוּל (שמואל ב א) בְּנוֹת יִשְׂרָאֵל אֶל שָׁאוּל בְּכֶינָה:
10 [Wenn jemand sagt:] „Konam, dass ich die hässliche N. N. nicht heirate“, sie aber in Wirklichkeit schön ist, [oder] „die schwarze“, sie aber weiss ist, [oder] „die kleine“, sie aber gross gewachsen ist, so darf er sie heiraten, nicht weil sie hässlich war und dann schön wurde, [oder] weil sie schwarz war und dann weiss wurde, [oder] weil sie klein war und dann gross wurde, sondern weil das Gelübde auf einem Irrtum beruhte. Einst hatte sich jemand durch Gelübde jeden Genuss von der Tochter seiner Schwester versagt; da brachte man sie in das Haus des R. Ismael und putzte sie dort aus. Darauf sagte R. Ismael zu ihm: „mein Sohn, hast du dir den Genuss dieser versagt?“ Jener erwiderte: „nein“; da erlaubte ihm R. Ismael sie zu heiraten. Bei dieser Gelegenheit weinte R. Ismael und sprach: „die Töchter Israels sind schön, nur die Armut entstellt sie!“ Als R. Ismael gestorben war, stimmten die israelitischen Töchter Klagelieder an und riefen aus: „Töchter Israels, weinet um R. Ismael!“ So heisst es auch bei Saul (II. Sam. 1, 24): „Töchter Israels, weinet um Saul!“