Nedarim 11

Kapitel 11

א וְאֵלּוּ נְדָרִים שֶׁהוּא מֵפֵר, דְּבָרִים שֶׁיֵּשׁ בָּהֶם עִנּוּי נֶפֶשׁ, אִם אֶרְחָץ וְאִם לֹא אֶרְחָץ, אִם אֶתְקַשֵּׁט וְאִם לֹא אֶתְקַשֵּׁט. אָמַר רַבִּי יוֹסֵי, אֵין אֵלּוּ נִדְרֵי עִנּוּי נָפֶשׁ:
1 Dies sind die Gelübde, die man aufheben kann: Dinge, die eine Verkümmerung des Lebens einschliessen; [wenn sie z. B. sagt:] „wenn ich bade“ oder „wenn ich nicht bade;“ „wenn ich mich schmücke“ oder wenn ich mich nicht schmücke“. Darauf sagte R. Jose: dies sind nicht Gelübde, die eine Verkümmerung des Lebens einschliessen.
ב וְאֵלּוּ הֵם נִדְרֵי עִנּוּי נֶפֶשׁ. אָמְרָה, קוֹנָם פֵּרוֹת הָעוֹלָם עָלָי, הֲרֵי זֶה יָכוֹל לְהָפֵר. פֵּרוֹת מְדִינָה עָלָי, יָבִיא לָהּ מִמְּדִינָה אַחֶרֶת. פֵּרוֹת חֶנְוָנִי זֶה עָלָי, אֵינוֹ יָכוֹל לְהָפֵר. וְאִם לֹא הָיְתָה פַרְנָסָתוֹ אֶלָּא מִמֶּנּוּ, הֲרֵי זֶה יָפֵר, דִּבְרֵי רַבִּי יוֹסֵי:
2 Folgende sind [vielmehr] Gelübde, die eine Verkümmerung des Lebens einschliessen: Wenn sie sagt: „Konam seien mir die Früchte der Welt“, so kann er (der Mann) dies aufheben. [Wenn sie sagt:] „die Früchte dieser Gegend seien mir verboten“, so darf er ihr solche aus einer andren Gegend bringen. [Wenn sie sagt:] „Die Früchte dieses Kaufmannes seien mir verboten“, so kann er es nicht aufheben. Wenn er aber seinen Unterhalt nur von diesem erhalten konnte, so kann er es aufheben. Dies die Worte des R. Jose.
ג קוֹנָם שֶׁאֵינִי נֶהֱנָה לַבְּרִיּוֹת, אֵינוֹ יָכוֹל לְהָפֵר, וִיכוֹלָה הִיא לֵהָנוֹת בְּלֶקֶט וּבְשִׁכְחָה וּבְפֵאָה. קוֹנָם כֹּהֲנִים וּלְוִיִּם נֶהֱנִים לִי, יִטְּלוּ עַל כָּרְחוֹ. כֹּהֲנִים אֵלּוּ וּלְוִיִּם אֵלּוּ נֶהֱנִים לִי, יִטְּלוּ אֲחֵרִים:
3 [Wenn sie sagt:] „Konam, dass ich von den Geschöpfen keinen Nutzen haben werde“, so kann er es nicht aufheben, sie darf aber von der Nachlese, von dem [auf dem Felde] Vergessenen und von der [Feld]-Ecke einen Nutzen haben. [Wenn jemand sagt:] „Konam, dass die Priester oder die Leviten von mir keinen Nutzen haben“, so dürfen sie auch gegen seinen Willen [das ihnen Gebührende] nehmen. [Wenn jemand sagt: „Konam,] dass diese Priester oder diese Leviten von mir keinen Nutzen haben“, so dürfen andre [das ihnen Gebührende von ihm] nehmen.
ד קוֹנָם שֶׁאֵינִי עוֹשָׂה עַל פִּי אַבָּא, וְעַל פִּי אָבִיךָ, וְעַל פִּי אָחִי, וְעַל פִּי אָחִיךָ, אֵינוֹ יָכוֹל לְהָפֵר. שֶׁאֵינִי עוֹשָׂה עַל פִּיךָ, אֵינוֹ צָרִיךְ לְהָפֵר. רַבִּי עֲקִיבָא אוֹמֵר, יָפֵר, שֶׁמָּא תַעְדִּיף עָלָיו יוֹתֵר מִן הָרָאוּי לוֹ. רַבִּי יוֹחָנָן בֶּן נוּרִי אוֹמֵר, יָפֵר, שֶׁמָּא יְגָרְשֶׁנָּה וּתְהִי אֲסוּרָה עָלָיו:
4 [Wenn sie sagt:] „Konam, dass ich nicht arbeite für meinen Vater oder für deinen Vater oder für meinen Bruder oder für deinen Bruder“, so kann er es nicht aufheben. [Wenn sie sagt: „Konam,] dass ich für dich nicht arbeite“, so braucht er es nicht erst aufzuheben. R. Akiba sagt: er muss es aufheben, vielleicht könnte sie ihm mehr leisten, als ihm zukommt. R. Jochanan, Sohn Nuris, sagt: er muss es aufheben, vielleicht lässt er sich von ihr scheiden und dann wäre es ihr verboten, zu ihm zurückzukehren.
ה נָדְרָה אִשְׁתּוֹ וְסָבוּר שֶׁנָּדְרָה בִתּוֹ, נָדְרָה בִתּוֹ וְסָבוּר שֶׁנָּדְרָה אִשְׁתּוֹ, נָדְרָה בְנָזִיר וְסָבוּר שֶׁנָּדְרָה בְקָרְבָּן, נָדְרָה בְקָרְבָּן וְסָבוּר שֶׁנָּדְרָה בְנָזִיר, נָדְרָה מִן הַתְּאֵנִים וְסָבוּר שֶׁנָּדְרָה מִן הָעֲנָבִים, נָדְרָה מִן הָעֲנָבִים וְסָבוּר שֶׁנָּדְרָה מִן הַתְּאֵנִים, הֲרֵי זֶה יַחֲזֹר וְיָפֵר:
5 Wenn seine Frau ein Gelübde getan und er glaubte, seine Tochter hätte das Gelübde getan, wenn seine Tochter ein Gelübde getan und er glaubte, seine Frau hätte das Gelübde getan, wenn sie ein Nasirat gelobt hat und er glaubte, sie hätte mit [dem Ausdruck] „Opfer“ ein Gelübde getan, wenn sie mit [dem Ausdruck] „Opfer“ ein Gelübde getan und er glaubte, sie hätte ein Nasirat gelobt, wenn sie sich durch Gelübde Feigen versagt hat und er glaubte, sie hätte sich Weintrauben versagt, wenn sie sich Weintrauben durch Gelübde versagt und er glaubte, sie hätte sich Feigen versagt, so muss er es noch einmal aufheben.
ו אָמְרָה, קוֹנָם תְּאֵנִים וַעֲנָבִים אֵלּוּ שֶׁאֵינִי טוֹעֶמֶת, קִיֵּם לַתְּאֵנִים, כֻּלּוֹ קַיָּם. הֵפֵר לַתְּאֵנִים, אֵינוֹ מוּפָר עַד שֶׁיָּפֵר אַף לָעֲנָבִים. אָמְרָה, קוֹנָם תְּאֵנִים שֶׁאֵינִי טוֹעֶמֶת וַעֲנָבִים שֶׁאֵינִי טוֹעֶמֶת, הֲרֵי אֵלּוּ שְׁנֵי נְדָרִים:
6 Wenn sie sagt: „Konam, dass ich diese Feigen und Weintrauben nicht koste“, und er es für die Feigen bestätigt, so ist das Ganze gültig; hat er es aber für die Feigen aufgehoben, so ist es nicht eher aufgehoben, als bis er es auch für die Weintrauben aufgehoben hat. Wenn sie sagt: „Konam, dass ich Feigen nicht koste und dass ich Weintrauben nicht koste“, so sind dies zwei Gelüdbe.
ז יוֹדֵעַ אֲנִי שֶׁיֵּשׁ נְדָרִים, אֲבָל אֵינִי יוֹדֵעַ שֶׁיֵּשׁ מְפֵרִין, יָפֵר. יוֹדֵעַ אֲנִי שֶׁיֵּשׁ מְפֵרִין אֲבָל אֵינִי יוֹדֵעַ שֶׁזֶּה נֶדֶר, רַבִּי מֵאִיר אוֹמֵר, לֹא יָפֵר, וַחֲכָמִים אוֹמְרִים, יָפֵר:
7 [Wenn jemand sagt:] „ich wusste wohl, dass man Gelübde tun kann, aber ich wusste nicht, dass man sie aufheben kann“, so kann er sie [gleichwohl] aufheben. Wenn jemand sagt: „ich wusste wohl, dass man [Gelübde] aufheben kann, aber ich wusste nicht, ob dies, [bestimmte] ein Gelübde war“, so sagt R. Meir: er kann es nicht aufheben; die Weisen aber sagen: er kann es auf- heben.
ח הַמֻּדָּר הֲנָאָה מֵחֲתָנוֹ וְהוּא רוֹצֶה לָתֵת לְבִתּוֹ מָעוֹת, אוֹמֵר לָהּ, הֲרֵי הַמָּעוֹת הָאֵלּוּ נְתוּנִים לָךְ בְּמַתָּנָה וּבִלְבַד שֶׁלֹּא יְהֵא לְבַעְלֵךְ רְשׁוּת בָּהֶן, אֶלָּא מַה שֶּׁאַתְּ נוֹשֵׂאת וְנוֹתֶנֶת בְּפִיךְ:
8 Wenn jemand seinem Schwiegersohn jeden Genuss [von seinem Vermögen] durch Gelübde versagt, seiner Tochter aber Geld geben will, so kann er zu ihr sagen: Dieses Geld sei dir zum Geschenk gegeben, aber nur unter der Bedingung, dass dein Gatte kein Recht daran hat, dass du es nur für deinen eigenen Unterhalt verwendest.
ט וְנֵדֶר אַלְמָנָה וּגְרוּשָׁה יָקוּם עָלֶיהָ (במדבר ל). כֵּיצַד. אָמְרָה, הֲרֵינִי נְזִירָה לְאַחַר שְׁלשִׁים יוֹם, אַף עַל פִּי שֶׁנִּשֵּׂאת בְּתוֹךְ שְׁלשִׁים יוֹם, אֵינוֹ יָכוֹל לְהָפֵר. נָדְרָה וְהִיא בִרְשׁוּת הַבַּעַל, מֵפֵר לָהּ. כֵּיצַד. אָמְרָה, הֲרֵינִי נְזִירָה לְאַחַר שְׁלשִׁים, אַף עַל פִּי שֶׁנִּתְאַלְמְנָה אוֹ נִתְגָּרְשָׁה בְתוֹךְ שְׁלשִׁים, הֲרֵי זֶה מוּפָר. נָדְרָה בוֹ בַיּוֹם, נִתְגָּרְשָׁה בוֹ בַיּוֹם, הֶחֱזִירָהּ בּוֹ בַיּוֹם, אֵינוֹ יָכוֹל לְהָפֵר. זֶה הַכְּלָל, כֹּל שֶׁיָּצָאת לִרְשׁוּת עַצְמָהּ שָׁעָה אַחַת, אֵינוֹ יָכוֹל לְהָפֵר:
9 [Es heisst:] „Und das Gelübde einer Witwe oder einer Geschiedenen … soll für sie Bestand haben“ (Num. 30, 10); wie ist dies zu verstehen? Wenn sie [z. B.] sagt: „ich will nach 30 Tagen eine Nasiräerin sein“, so kann er (der Mann), wenn sie auch innerhalb der 30 Tage heiratet, es nicht aufheben. Wenn sie ein Gelübde getan, während sie noch in der Gewalt des Gatten war, so kann er es ihr aufheben. Wie ist dies zu verstehen? Wenn sie [z. B.] sagt: „ich will nach 30 Tagen eine Nasiräerin sein“, so ist es, auch wenn sie innerhalb der 30 Tage Witwe oder geschieden wird, aufgehoben. Wenn sie an einem Tage ein Gelübde tut, am selben Tage geschieden wird und er sie am selben Tage wieder heiratet, so kann er es nicht aufheben, Dies ist [nämlich] die Regel: sobald sie eine Zeit lang in ihrer eigenen Gewalt war, kann er [ihre Gelübde] nicht aufheben.
י תֵּשַׁע נְעָרוֹת, נִדְרֵיהֶן קַיָּמִין. בּוֹגֶרֶת וְהִיא יְתוֹמָה, נַעֲרָה וּבָגְרָה וְהִיא יְתוֹמָה, נַעֲרָה שֶׁלֹּא בָגְרָה וְהִיא יְתוֹמָה, בּוֹגֶרֶת וּמֵת אָבִיהָ, נַעֲרָה בוֹגֶרֶת וּמֵת אָבִיהָ, נַעֲרָה שֶׁלֹּא בָגְרָה וּמֵת אָבִיהָ, נַעֲרָה שֶׁמֵּת אָבִיהָ וּמִשֶּׁמֵּת אָבִיהָ בָּגְרָה, בּוֹגֶרֶת וְאָבִיהָ קַיָּם, נַעֲרָה בוֹגֶרֶת וְאָבִיהָ קַיָּם. רַבִּי יְהוּדָה אוֹמֵר, אַף הַמַּשִּׂיא בִתּוֹ הַקְּטַנָּה, וְנִתְאַלְמְנָה אוֹ נִתְגָּרְשָׁה וְחָזְרָה אֶצְלוֹ, עֲדַיִן הִיא נַעֲרָה:
10 Neun Mädchen gibt es, deren Gelübde gültig bleiben: 1) eine Mannbare, die als Waise gilt; 2) ein Mädchen, das mannbar ist (a. L.: mannbar wurde) und als Waise gilt; 3) ein Mädchen, das noch nicht mannbar ist und als Waise gilt; 4) eine Mannbare, deren Vater gestorben ist; 5) ein Mädchen, das mannbar ist und dessen Vater gestorben ist; 6) ein Mädchen, das noch nicht mannbar geworden und dessen Vater gestorben ist; 7) ein Mädchen, dessen Vater gestorben ist und das mannbar wurde, nachdem ihr Vater gestorben war; 8) eine Mannbare, deren Vater noch lebt; 9) ein Mädchen, das mannbar ist und dessen Vater noch lebt. R. Jehuda sagt: auch wenn jemand seine minderjährige Tochter verheiratet, diese dann Witwe oder geschieden wird und zu ihm zurückkehrt, gilt sie noch als Mädchen.
יא קוֹנָם שֶׁאֵינִי נֶהֱנֵית לְאַבָּא וּלְאָבִיךָ אִם עוֹשָׂה אֲנִי עַל פִּיךָ, שֶׁאֵינִי נֶהֱנֵית לְךָ אִם עוֹשָׂה אֲנִי עַל פִּי אַבָּא, וְעַל פִּי אָבִיךָ, הֲרֵי זֶה יָפֵר:
11 [Wenn sie sagt:] „Konam, dass ich von meinem Vater oder von deinem Vater keinen Genuss haben werde, wenn ich für deinen Unterhalt arbeite“, [oder] „dass ich von dir keinen Genuss haben werde, wenn ich für den Unterhalt meines Vaters oder deines Vaters arbeite“, so darf er es aufheben.
יב בָּרִאשׁוֹנָה הָיוּ אוֹמְרִים, שָׁלשׁ נָשִׁים יוֹצְאוֹת וְנוֹטְלוֹת כְּתֻבָּה, הָאוֹמֶרֶת טְמֵאָה אֲנִי לְךָ, שָׁמַיִם בֵּינִי לְבֵינֶךָ, נְטוּלָה אֲנִי מִן הַיְּהוּדִים. חָזְרוּ לוֹמַר, שֶׁלֹּא תְהֵא אִשָּׁה נוֹתֶנֶת עֵינֶיהָ בְאַחֵר וּמְקַלְקֶלֶת עַל בַּעְלָהּ. אֶלָּא הָאוֹמֶרֶת טְמֵאָה אֲנִי לְךָ, תָּבִיא רְאָיָה לִדְבָרֶיהָ. שָׁמַיִם בֵּינִי לְבֵינֶךָ, יַעֲשׂוּ דֶרֶךְ בַּקָּשָׁה. נְטוּלָה אֲנִי מִן הַיְּהוּדִים, יָפֵר חֶלְקוֹ, וּתְהֵא מְשַׁמַּשְׁתּוֹ, וּתְהֵא נְטוּלָה מִן הַיְּהוּדִים:
12 Früher hat man ge- sagt: drei Frauen werden geschieden und erhalten die Ketuba: wenn sie erklärt: „ich bin unrein für dich“, [oder] „der Himmel [weiss], was zwischen mir und dir [vorgeht]“, oder „ich will den Juden entzogen sein“. Dann aber haben sie (die Weisen), damit nicht eine Frau ein Auge auf einen andren [Mann] werfe und es mit ihrem Gatten verderbe, bestimmt: wenn sie erklärt: „ich bin unrein für dich“, so muss sie einen Beweis für ihre Behauptung erbringen; [wenn sie erklärt:] „der Himmel weiss, was zwischen mir und dir vorgeht“, so sucht man es auf dem Wege der Überredung beizulegen; [wenn sie erklärt:] „ich will den Juden entzogen sein“, so soll er (der Gatte) den ihn betreffenden Teil [des Gelübdes ] aufheben und sie mit ihm ehelich verkehren, allen andren Juden aber entzogen sein.